Knigge im Beruf: Beim Duzen sollte der Chef keine Ausnahmen machen
Englischsprachige Menschen haben es bedeutend leichter – die Frage, ob „Sie“ oder „Du“ stellt sich erst gar nicht. Die deutsche Sprache ist in dieser Frage komplizierter. Wie sollten daher Chefs am Arbeitsplatz mit dem heiklen Thema umgehen?
Siezt du noch oder duzt du schon? Diese Frage wirft regelmäßig Unsicherheiten hervor.
Beim Duzen am Arbeitsplatz gilt das Prinzip: Keiner darf bevorzugt werden. Der Chef sollte also entweder allen das Du anbieten oder keinem. „Das sieht sonst so aus, als würde er die einen mögen und die anderen nicht“, erklärt Hans-Michael Klein, Vorsitzender der Deutschen-Knigge-Gesellschaft in Essen.
„Wenn Ungleichbehandlung auf Sympathie beruht, wird es automatisch als Ungerechtigkeit empfunden. Das geht gar nicht.“
Der Grundsatz gilt auch dann, wenn ein Vorgesetzter sich einzelnen Mitarbeitern stärker als anderen verbunden fühlt, weil sie zum Beispiel schon lange mit ihm zusammenarbeiten. Auch in diesem Fall sollte er sie bei der Anrede nicht demonstrativ bevorzugen.
Allenfalls wenn ein Kollege ganz neu im Team ist, kann er zunächst gesiezt werden, auch wenn die übrigen Mitarbeiter bereits das Du angeboten bekommen haben. Falls in einer Gruppe unbeabsichtigt einige geduzt und einige gesiezt werden, müssten die letzteren zumindest die Möglichkeit haben, auch in den Genuss des Duzens zu kommen, so Klein.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form (generisches Maskulinum), z. B. „der Mitarbeiter“. Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung. Die verkürzte Sprachform hat redaktionelle Gründe und ist wertfrei.