Über Doktortitel, die durch Abkupfern erworben wurden, haben die Medien zuletzt häufig berichtet. Das hat aber keinen Einfluss auf die Etikette: „Die Reputation des Doktortitels hat gelitten, aber die Regeln haben sich nicht geändert“, sagt der Etikette-Experte Hans-Michael Klein aus Essen.

Ist bekannt, dass zum Beispiel ein Geschäftspartner oder Kunde einen Doktortitel hat, sollte man ihn auch damit ansprechen – es sei denn, er betont ausdrücklich, dass das nicht nötig sei. Das gilt auch während eines längeren Gesprächs: Grundsätzlich lautet die Regel, den Doktortitel bei jeder Anrede zu erwähnen. Wer promoviert ist, sollte aber die Souveränität besitzen, zu sagen: „Lassen Sie den Titel ruhig weg“, erläutert der Vorsitzende der Deutschen Knigge Gesellschaft. „Wer sich dauernd mit dem Doktor anreden lässt, sollte mal sein Selbstbewusstsein überprüfen.“

Eine Ausnahme bei der Titelnennung gibt es ohnehin: „Promovierte lassen ihn untereinander immer weg“, sagt Klein. Falls jemand gleich zwei Doktortitel haben sollte, wird bei der Anrede nur einer genannt: „Jemanden Herrn Dr. Dr. Müller zu nennen, wäre genauso ein Regelverstoß wie eine zu lange Krawatte.“

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form (generisches Maskulinum), z. B. „der Mitarbeiter“. Wir meinen immer alle Geschlechter im Sinne der Gleichbehandlung. Die verkürzte Sprachform hat redaktionelle Gründe und ist wertfrei.